Herr Bundeskanzler Merz, bitte nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um diesen kleinen Kommentar eines einfachen Bürgers zu lesen und darüber in Ruhe nachzudenken.
Sie sagen, die Windkraft sei nur eine Übergangstechnologie. Sie sagen, die Zukunft liege in der Kernfusion. Das klingt nach Fortschritt. Es klingt nach Mut. Es klingt nach einem großen Wurf. Doch bei genauerem Hinsehen bleibt davon wenig übrig.
Kernfusion ist eine extrem komplexe Technologie. Extrem komplex bedeutet, dass selbst die besten Forscherinnen und Forscher der Welt sie seit über siebzig Jahren nicht beherrschen. Seit siebzig Jahren hören wir, dass sie in dreißig Jahren einsatzbereit sein soll. Diese dreißig Jahre werden immer wieder neu versprochen. Bis heute gibt es weltweit keinen einzigen Kernfusionsreaktor, der dauerhaft Strom in ein öffentliches Stromnetz einspeist. Nicht einen. Der größte Versuchsreaktor der Welt, ITER in Südfrankreich, soll frühestens 2035 erste Tests machen. Vielleicht liefert er ab 2045 Strom. Vielleicht. Und selbst dann handelt es sich nicht um ein echtes Kraftwerk, sondern um ein Forschungsprojekt. Die Kosten liegen heute schon bei über 25 Milliarden Euro. Das ist Geld, das wir heute dringend für sichere und funktionierende Energieversorgung brauchen.
Sie setzen damit politisch auf eine Technologie, die frühestens in zwanzig bis dreißig Jahren vielleicht nutzbar sein könnte. Vielleicht. Während wir jetzt eine Lösung brauchen. Jetzt. Für Haushalte, für Industrie, für Schulen, für Krankenhäuser, für Pflegeheime, für Kitas.
Windkraft liefert diese Lösung heute. Jeden Tag. Jede Stunde.
Offshore-Windparks in der Nordsee versorgen bereits Millionen Menschen mit Strom. Die Pläne bis 2030 sehen über 100 Gigawatt Leistung vor. Das reicht rechnerisch für fast ganz Deutschland. Windkraft ist eine der günstigsten Formen der Stromerzeugung überhaupt. Neue Anlagen produzieren Strom für deutlich unter sechs Cent pro Kilowattstunde. Atomkraft liegt bei weit über fünfzehn Cent. Kernfusion liegt jenseits jeder realistischen Kostenrechnung.
Wenn Sie Windkraft als Übergangstechnologie bezeichnen, dann machen Sie sie kleiner, als sie ist. Sie säen Zweifel. Sie schwächen Vertrauen. Vertrauen ist die Grundlage der Energiewende. Energiewende bedeutet der vollständige Umbau unseres Energiesystems hin zu erneuerbaren Quellen, also weg von Kohle, Öl, Gas und Atom. Wenn der Bundeskanzler selbst diese Zukunftstechnologien abwertet, dann verunsichert das Millionen Menschen.
Das bremst den Ausbau. Das verlangsamt Investitionen. Das schadet unserem Land.
Windkraft macht uns unabhängig. Unabhängig von fossilen Importen. Unabhängig von autoritären Staaten. Unabhängig von Kriegen. Unabhängig von politischer Erpressung. Jede neue Windanlage bedeutet mehr Freiheit, mehr Sicherheit und mehr demokratische Stabilität.
Ich arbeite als Heilerziehungspfleger. Ich habe keine Ministerien hinter mir. Keine Stäbe. Keine Beraterheere. Keine PR-Abteilungen. Und doch komme ich mit einfachem logischem Denken zu klaren Schlüssen. Wenn ich das kann, dann können Sie das ganz sicher auch.
Die Klimakrise wartet nicht. Die Energiepreise warten nicht. Die Industrie wartet nicht. Die Gesellschaft wartet nicht. Wir brauchen heute Lösungen, keine Versprechen für ferne Jahrzehnte.
Forschung an Kernfusion ist sinnvoll. Sie kann Hoffnung sein. Aber sie darf niemals zur Ausrede werden, um den Ausbau der erneuerbaren Energien kleinzureden oder zu bremsen.
Windkraft ist keine Übergangslösung. Sie ist ein tragender Pfeiler unserer Zukunft. Sie schafft hunderttausende Arbeitsplätze. Sie senkt Strompreise. Sie schützt das Klima. Sie stärkt unsere Wirtschaft. Sie sichert unseren Wohlstand.
Wer die Windkraft kleinredet, redet Deutschlands Zukunft klein.
Ein Bundeskanzler sollte Orientierung geben. Er sollte erklären. Er sollte führen. Und er sollte Mut machen, statt Zweifel zu säen.
Deutschland braucht keine Energie-Illusionen. Deutschland braucht jetzt saubere, sichere und bezahlbare Energie. Und die heißt Wind, Sonne, Speicher, Netze und Effizienz.
Alles andere ist Realitätsverweigerung.
Mit achtsamen Grüßen
Florian Lancker
Quellen:
Grundlage dieses Briefes ist der Artikel „Windkraft-Ausbau geplant: Für Merz aber nur Übergangstechnologie“ vom 27.01.2026, erschienen bei der FUNKE Mediengruppe unter Berufung auf dpa, sowie ein ausführlicher Fachbeitrag von Prof. Dr. Volker Quaschning, veröffentlicht am 27.01.2026 auf Mastodon, in dem die technischen, zeitlichen und wirtschaftlichen Grenzen der Kernfusion sowie die zentrale Rolle der erneuerbaren Energien für die Energiewende sachlich und faktenbasiert eingeordnet werden.
