Solidarität und Inklusion sind wichtige Grundlagen einer offenen Gesellschaft.
Grundlagen sind Dinge, ohne die etwas nicht funktioniert.
Ohne Solidarität zerfällt eine Gesellschaft.
Ohne Inklusion werden Menschen ausgeschlossen.
Inklusion bedeutet, dass alle Menschen dazugehören.
Alle meint wirklich alle.
Nicht nur die Lauten.
Nicht nur die Gesunden.
Nicht nur die Mehrheit.
Solidarität bedeutet, füreinander einzustehen.
Auch dann, wenn es anstrengend wird.
Auch dann, wenn die Lösung nicht perfekt ist.
Dieses Thema wird besonders schwierig, wenn Bedürfnisse aufeinandertreffen, die sich widersprechen.
Widersprechen heißt, sie passen nicht gleichzeitig zusammen.
Ein gutes Beispiel dafür sind hörbehinderte Menschen und vulnerable Gruppen mit Angst vor Infektionen.
Zu den hörbehinderten Menschen gehören viele Menschen.
Gehörlose Menschen.
Schwerhörige Menschen.
Und Menschen, die Lippen lesen.
Lippen lesen bedeutet, Sprache über die Mundbewegung zu verstehen.
Dabei werden Wörter nicht gehört, sondern gesehen.
Der Mund ist dabei das wichtigste Werkzeug.
Masken machen genau das unmöglich.
Sie verdecken den Mund vollständig.
Damit fällt diese Form der Kommunikation weg.
Für viele hörbehinderte Menschen ist das keine Kleinigkeit.
Es ist ein massiver Ausschluss.
Ausschluss bedeutet, nicht teilnehmen zu können.
Gespräche sind dann kaum möglich.
Veranstaltungen werden unzugänglich.
Selbst einfache Nachfragen werden zur Hürde.
Auf der anderen Seite stehen Menschen, die besonders gefährdet sind.
Diese Menschen nennt man vulnerabel.
Vulnerabel heißt besonders verletzlich.
Dazu gehören ältere Menschen.
Dazu gehören Menschen mit Vorerkrankungen.
Vorerkrankungen sind Krankheiten, die schon vorher da waren.
Dazu gehören auch Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.
Das Immunsystem ist die Abwehr des Körpers gegen Krankheiten.
Für diese Menschen ist zum Beispiel eine Infektion mit Covid 19 ein ernstes Risiko.
Covid 19 ist eine ansteckende Virus-Erkrankung.
Sie kann schwere Verläufe haben.
Schwere Verläufe bedeuten, dass Menschen lange krank sind oder sterben können.
Masken geben diesen Menschen Schutz.
Schutz heißt hier, das Risiko zu senken.
Nicht auf null.
Aber deutlich.
Die Angst dieser Menschen ist real.
Sie ist nicht eingebildet.
Sie ist berechtigt.
Hier treffen zwei berechtigte Bedürfnisse aufeinander.
Beide Seiten haben gute Gründe.
Beide Seiten haben echte Einschränkungen.
Genau hier zeigt sich eine unbequeme Wahrheit.
Hundertprozentige Inklusion für alle gleichzeitig ist nicht möglich.
Das ist eine Utopie.
Eine Utopie ist eine perfekte Vorstellung, die in der Realität nicht vollständig erreichbar ist.
Das anzuerkennen ist wichtig.
Denn nur so können wir ehrlich miteinander umgehen.
Aber aus dieser Erkenntnis darf keine Rücksichtslosigkeit entstehen.
Rücksichtslosigkeit bedeutet, nur an sich selbst zu denken.
Es ist unsolidarisch, maximale Rücksicht nur für die eigene Gruppe zu verlangen.
Vor allem dann, wenn diese Forderung andere Menschen ausschließt.
Genauso unsolidarisch ist es, zu sagen:
Dann lassen wir eben alles.
Dann gibt es keine Treffen mehr.
Dann gibt es keine Veranstaltungen mehr.
Das wäre ein Rückzug aus dem sozialen Leben.
Soziales Leben bedeutet, sich zu begegnen und auszutauschen.
Isolation ist keine Lösung.
Isolation heißt, Menschen bleiben alleine.
Isolation schadet der Psyche.
Die Psyche ist die seelische Gesundheit.
Die Lösung liegt nicht im Entweder-oder.
Sie liegt im Abwägen.
Abwägen bedeutet, verschiedene Interessen sorgfältig zu betrachten.
Nicht schnell.
Nicht emotional.
Sondern verantwortungsvoll.
Das erfordert Kompromisse.
Ein Kompromiss ist eine Lösung, bei der niemand alles bekommt.
Aber alle etwas.
Solche Lösungen sind nie perfekt.
Aber sie sind machbar.
Wichtig ist dabei der Blick über den eigenen Tellerrand.
Der Tellerrand ist ein Bild für die eigene Sichtweise.
Wer nur die eigenen Bedürfnisse sieht, übersieht andere Menschen und Barrieren.
Barrieren sind Hindernisse, die Teilhabe verhindern.
Manche Barrieren sind sichtbar.
Andere sind unsichtbar.
Inklusion bedeutet, diese Barrieren ernst zu nehmen.
Auch dann, wenn man sie selbst nicht erlebt.
Solidarität bedeutet, Verantwortung zu teilen.
Nicht gegeneinander zu kämpfen.
Wir brauchen weniger moralischen Druck.
Moralischer Druck heißt, andere mit Schuldgefühlen zum Schweigen zu bringen.
Wir brauchen mehr Dialog.
Dialog bedeutet, miteinander zu sprechen und zuzuhören.
Nicht alles hat eine saubere Lösung.
Nicht alles lässt sich gerecht aufteilen.
Aber eine solidarische Gesellschaft hält diese Spannungen aus.
Inklusion ist kein Ziel, das man einmal erreicht.
Inklusion ist ein Prozess.
Ein Prozess ist ein Weg, der nie ganz abgeschlossen ist.
Dieser Weg funktioniert nur,
wenn wir lernen, auch die Bedürfnisse zu sehen,
die nicht unsere eigenen sind.
