Das Wort Sonderschule klingt harmlos. Es klingt nach einer besonderen Schule. Aber die Wahrheit ist hässlich. „Sonder“ bedeutet abgesondert. Es bedeutet, Kinder mit Behinderung aus der Gemeinschaft herauszureißen. Es bedeutet Trennung. Das Wort wurde im frühen 20. Jahrhundert benutzt, als die Gesellschaft dachte, dass Kinder mit Behinderung nicht zu allen anderen Kindern passen. Sie sollten in eine Ecke gestellt werden, so wie man Dinge auf den Müll wirft, wenn man sie nicht mehr sehen will.
Die Nazis haben diesen Gedanken auf die Spitze getrieben. Sie sahen Menschen mit Behinderung nicht nur als „anders“, sondern als „wertlos“. Sie begannen Programme, die sie „Euthanasie“ nannten. Das Fremdwort Euthanasie bedeutet „schöner Tod“. In Wahrheit war es Mord. Es war staatlich organisierter Mord an Kindern, Frauen und Männern mit Behinderung. Ärzte, Pfleger, Beamte und Politiker machten mit. Menschen wurden vergast, vergiftet oder verhungern gelassen. Alles im Namen einer „gesunden Volksgemeinschaft“. Dieses Denken steckt auch heute noch in jeder Partei, die Inklusion verweigert oder behindert.
Wenn die AfD heute von einer „Überlastung der Schulen“ spricht, dann meint sie im Kern genau das Gleiche. Sie will Kinder mit Behinderung wieder absondern. Sie will, dass sie nicht sichtbar sind. Sie will sie loswerden. So wie die Nazis. Wer das nicht sieht, der verschließt die Augen vor der Geschichte. Faschisten, egal ob sie sich NSDAP nennen oder AfD oder anders, haben ein gemeinsames Ziel. Sie wollen ausgrenzen. Sie wollen bestimmen, wer dazugehört und wer nicht. Für sie sind Menschen mit Behinderung immer die ersten Opfer.
Viele Parteien behaupten, sie seien besser. Sie sprechen von Förderschulen. Das klingt positiv. Förderung bedeutet Unterstützung. Aber es ist eben nur ein anderes Wort für Absonderung. In Wahrheit sitzen noch immer viel zu viele Kinder mit Behinderung in eigenen Schulen, weit weg von allen anderen. Sie haben weniger Chancen auf einen Beruf, weniger Chancen auf ein gutes Leben. Die Politik in Deutschland hat sich seit Jahrzehnten davor gedrückt, das zu ändern.
2009 hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention unterschrieben. UN bedeutet Vereinte Nationen, ein Zusammenschluss fast aller Länder der Welt. Konvention bedeutet ein Vertrag, den Staaten gemeinsam abschließen. In diesem Vertrag steht, dass alle Menschen mit Behinderung die gleichen Rechte haben. Sie haben das Recht, überall dabei zu sein, auch in der Schule. Dieses Recht nennt man Inklusion. Inklusion bedeutet, dass niemand ausgeschlossen wird. Jeder darf überall mitmachen.
Doch was ist seit 2009 passiert? Fast nichts. Die Schulen sind immer noch nicht so ausgestattet, dass jedes Kind dort lernen kann. Es fehlen Lehrer, es fehlen Räume, es fehlt Wille. Wer das verschleppt, macht sich mitschuldig. Ob SPD, ob CDU, ob Grüne, ob FDP. Wer heute Inklusion verzögert, ist kein Stück besser als die AfD. Denn er oder sie tritt die Rechte von Kindern mit Füßen. Kinder mit Behinderung, die nur eines wollen: dazugehören.
Die Gesellschaft darf sich nicht belügen. Es reicht nicht, ein neues Wort zu erfinden. Aus Sonderschule wurde Förderschule. Aber Kinder werden immer noch getrennt. Solange das so ist, tragen die Regierenden Verantwortung. Wer Inklusion nicht umsetzt, steht auf der Seite der Ausgrenzer. Auf der Seite der Faschisten. Auf der Seite jener, die schon einmal gezeigt haben, wohin Aussonderung führt: zu Mord und Vernichtung.
Wer heute für Inklusion kämpft, kämpft für Demokratie. Demokratie bedeutet, dass alle Menschen gleich sind und die gleichen Rechte haben. Wer heute für Inklusion kämpft, kämpft gegen Faschismus. Es gibt keine Mitte. Es gibt nur die Entscheidung: für die Menschlichkeit oder für die Barbarei der Ausgrenzung.
Quellen:
Bundeszentrale für politische Bildung: Geschichte der Hilfs- und Sonderschulen
Vereinte Nationen: UN-Behindertenrechtskonvention 2009
Gedenkstätte Hadamar: „Euthanasie“-Verbrechen im Nationalsozialismus
Netzpolitik.org: Schlagwort Inklusion
