In Deutschland wird seit Jahren erzählt, die Wirtschaft müsse wachsen, damit es uns allen gut geht. Doch das stimmt nicht. Viele Menschen spüren das Gegenteil. Sie merken, dass ihr Leben immer teurer wird, während einige Wenige immer reicher werden. Es gibt immer noch genug große Unternehmen, die sagen, sie würden für alle sprechen. Doch sie vertreten oft nur ihre eigenen Interessen und tun so, als hätten sie allein das Recht, für die Wirtschaft zu sprechen. Dabei ist Wirtschaft nichts, was uns von außen passiert. Wirtschaft sind wir alle. Wirtschaft ist das, was wir jeden Tag erleben. Wenn wir in den Supermarkt gehen, die Miete zahlen, den Bus nehmen oder einen Arzt brauchen. Wirtschaft bedeutet, dass wir Menschen in einer Gesellschaft miteinander leben und arbeiten.
Wenn man sich anschaut, wer in Deutschland als „Unternehmer“ auftritt, dann sind das oft nicht die kleinen Bäcker oder Handwerker, sondern Vertreter großer Konzerne. Diese reden laut, geben viel Geld für Werbung und Lobbyarbeit aus und behaupten, sie wüssten, was für alle gut sei. Sie sagen, der Staat müsse ihnen Steuern erlassen und weniger Regeln machen. Sie behaupten, nur dann könne die Wirtschaft wachsen. Aber stimmt das? Nein. Seit Jahren sehen wir, dass solche Forderungen nicht zu besseren Schulen, besseren Straßen, billigeren Wohnungen oder mehr Ärzten führen. Im Gegenteil: Die Dinge, die unser Leben einfacher machen, werden immer schlechter. Das liegt auch daran, dass viele Politiker auf die Stimmen dieser Konzerne hören und nicht auf die Menschen, die sie gewählt haben.
In Deutschland zahlen vor allem Menschen mit mittlerem und kleinem Einkommen hohe Steuern. Die richtig Reichen zahlen im Verhältnis viel weniger. Das ist ungerecht. Und es wird noch schlimmer, weil die Steuergelder oft nicht da ankommen, wo wir sie dringend brauchen. In Skandinavien ist das anders. Dort bekommen die Gemeinden direkt das Geld und können es für Schwimmbäder, Bibliotheken oder Busse ausgeben. Die Menschen sehen dort, dass ihre Steuern etwas bewirken. Hier bei uns sieht man das oft nicht. Und dann denken viele, der Staat nehme ihnen nur das Geld weg. Dieses Gefühl macht wütend. Und viele wenden sich von der Politik ab. Manche wählen sogar Parteien, die gegen ihre eigenen Interessen arbeiten, wie zum Beispiel die AfD. Diese Partei erzählt den Menschen, sie würde sich um die kleinen Leute kümmern. In Wahrheit will sie aber genau das Gegenteil. Sie macht Politik für die Reichen und will Steuern für Reiche senken, Löhne drücken und Arbeiterrechte abbauen. Wer die AfD wählt, wählt sein eigenes Unglück.
Die Wirtschaft in Deutschland stagniert. Das bedeutet, sie wächst kaum oder gar nicht. Die Preise steigen aber trotzdem. Besonders betroffen sind Menschen mit wenig Geld. Sie müssen einen großen Teil ihres Einkommens für Miete, Essen und Energie ausgeben. Wenn diese Dinge teurer werden, bleibt kaum etwas übrig. Die Politik müsste genau hier ansetzen. Sie müsste dafür sorgen, dass die Menschen gut verdienen, damit sie ihr Geld ausgeben können. Das wäre gut für alle. Doch viele Unternehmen sehen Löhne nur als Kosten. Sie verstehen nicht, dass höhere Löhne auch bedeuten, dass mehr gekauft wird. Dabei wäre es das Einfachste, den Mindestlohn anzuheben und dafür zu sorgen, dass die Menschen fair bezahlt werden.
Ein anderes großes Problem ist, dass wir immer noch glauben, Wirtschaft müsse immer wachsen. Aber wir leben auf einem Planeten mit begrenzten Rohstoffen. Es kann nicht ewig so weitergehen. Wachstum um jeden Preis zerstört unsere Umwelt und macht das Leben für viele schlechter. Der Klimawandel zeigt uns, was passiert, wenn wir nicht umdenken. Wir brauchen eine Wirtschaft, die auch in Zukunft funktioniert. Das bedeutet: Weniger Ausbeutung von Mensch und Natur, mehr Rücksicht auf unsere Umwelt, gerechtere Löhne und Steuern. Und es bedeutet auch, dass wir aufhören müssen, alles nur am Bruttoinlandsprodukt zu messen. Das BIP sagt nämlich nur, wie viel produziert und verkauft wurde – aber nicht, ob es den Menschen gut geht. Es zählt Dinge wie Waffenproduktion, Autounfälle oder Umweltverschmutzung genauso wie Bildung, Gesundheit oder saubere Luft. Das ist Unsinn.
Es gibt andere Werte, auf die wir achten müssen. Die OECD, das ist ein Zusammenschluss vieler Länder, hat schon 2020 gesagt, dass wir vier Dinge in den Mittelpunkt stellen müssen. Erstens den Schutz der Umwelt und des Klimas. Zweitens die Lebensqualität der Menschen. Drittens den Kampf gegen Ungleichheit. Und viertens die Widerstandskraft unserer Gesellschaft gegen Krisen. Denn wir haben gesehen, wie anfällig unser System in Krisen ist. Corona und der Krieg in der Ukraine haben das deutlich gemacht. Wir müssen unsere Wirtschaft so umbauen, dass sie auch in schwierigen Zeiten funktioniert.
Dafür braucht es neue Regeln. Und es braucht eine klare Haltung der Politik. Politiker müssen sich trauen, sich gegen die lauten Stimmen der Konzerne zu stellen und für die Mehrheit der Menschen einzutreten. Sie müssen auch erklären, warum Veränderungen nötig sind und was sie den Menschen bringen. Das geht nur, wenn wir alle mitmachen. Indem wir Parteien wählen, die für faire Steuern, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit eintreten. Und indem wir selbst Verantwortung übernehmen, indem wir zum Beispiel Produkte kaufen, die unter fairen Bedingungen hergestellt wurden. Natürlich können wir nicht alles mit unserem Einkauf regeln. Aber wir können zeigen, dass uns das wichtig ist.
Es reicht nicht, auf die Politik zu schimpfen. Wir müssen darüber reden, was wir ändern wollen. Zu Hause, mit Freunden, am Arbeitsplatz. Wir müssen laut werden, wenn Ungerechtigkeit herrscht. Wir müssen fragen, warum die einen alles haben und die anderen immer weniger. Und wir müssen uns klar machen: Es ist kein Naturgesetz, dass wenige alles haben und viele wenig. Das ist so, weil wir es zugelassen haben. Wir können das ändern. Aber nur, wenn wir aufhören, Wirtschaft als etwas zu sehen, das uns überrollt. Die Wirtschaft gehört uns allen. Sie muss uns allen dienen.
Es geht darum, eine Wirtschaft zu schaffen, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Eine Wirtschaft, die Arbeit und Leben verbindet. Eine Wirtschaft, die unseren Planeten schützt. Und eine Wirtschaft, die Krisen übersteht, ohne dass wieder die Ärmsten alles bezahlen. Wir müssen aufhören, den falschen Versprechen von Konzernen und Lobbygruppen zu glauben. Wir müssen uns selbst informieren und uns wehren, wenn man uns Märchen erzählt. Die Zukunft gehört denen, die für Gerechtigkeit kämpfen, nicht denen, die sich die Taschen vollmachen. Deshalb: Redet miteinander, informiert euch, wählt klug und bleibt unbequem. Denn Wirtschaft ist nicht die Lösung für alle Probleme. Aber sie muss Teil der Lösung sein – für eine gerechte, lebenswerte und sichere Zukunft.
Quellen:
Statistisches Bundesamt (2025)
OECD-Bericht „Beyond Growth“ (2020)
Bundesministerium der Finanzen (2025)
LobbyControl Deutschland
Ulrike Herrmann, „Das Ende des Kapitalismus“
Peter Bofinger, Universität Würzburg
